Claus Boesser-Ferrari / Elliott Sharp – Immigrant’s NO Suitcase CD
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Beschreibung
fixcel 28 (2026)
Claus Boesser-Ferrari / Elliott Sharp – Immigrant’s NO Suitcase CD
CD fixcel 28
Rel. 10/2026
Musiker
Claus Boesser-Ferrari (gt)
Elliott Sharp (gt, sax)
Mit ‚Immigrant’s NO Suitcase‘ haben Claus Boesser-Ferrari und Elliott Sharp ein gemeinsames Projekt vorgelegt, das sich auf Arbeiten des Künstlers Boris Lurie bezieht. Ausgangspunkt für die Zusammenarbeit von Boesser-Ferrari und Sharp war Rudij Bergmanns Film über Boris Lurie. Aus der Beschäftigung mit Luries Bildern entwickelte sich eine weitgehend akustische, eher kammermusikalische Musik, die sich nicht als Illustration der Kunst versteht. Die einzelnen Stücke beziehen sich auf Arbeiten Luries und bewegen sich zwischen melodischen Passagen und abstrakten Klangformen.
Boris Lurie
Boris Lurie (1924–2008) wurde in Leningrad geboren und wuchs in Riga auf. Nach der deutschen Besetzung Lettlands wurde er 1941 im Alter von 16 Jahren gemeinsam mit seinem Vater inhaftiert. Beide überlebten das Rigaer Ghetto sowie mehrere Arbeits- und Konzentrationslager, darunter Stutthof und Buchenwald-Magdeburg. Luries Mutter, seine Schwester, seine Großmutter und seine damalige Freundin wurden 1941 beim Massaker von Rumbula ermordet. Nach der Befreiung emigrierte Lurie 1946 mit seinem Vater in die USA und ließ sich in New York nieder, wo er seine Arbeit als Künstler begann. Er starb 2008 in New York.
Die Erfahrung von Verfolgung, Konzentrationslager und Verlust blieb ein zentraler Bezugspunkt seines Werks. Schon unmittelbar nach dem Krieg entstanden Zeichnungen und Bilder, in denen Lurie Erlebnisse aus Ghettos und Lagern verarbeitete. 1959 gründete er gemeinsam mit Sam Goodman und Stanley Fisher die NO!art-Bewegung. Sie richtete sich gegen die zunehmende Kommerzialisierung der Kunst ebenso wie gegen Krieg, Rassismus, atomare Aufrüstung, Konsumkultur und gesellschaftliche Verdrängung. Luries Kunst verweigert sich bewusst einer gefälligen Ästhetik. In seinen Collagen treffen dokumentarische Bilder aus Konzentrationslagern auf Pin-ups, Werbung, Schriftzeichen und Symbole. Sexualität, Gewalt, Erinnerung und Konsum werden dabei auf eine Weise nebeneinandergestellt, die Irritation nicht vermeidet, sondern ausdrücklich sucht.
Ein besonders persönliches Werk entstand 1963 mit „Immigrant’s NO Suitcase (Anti-Pop)“. Lurie verwendete dafür den Koffer, den er 1946 bei seiner Emigration in die USA mitgeführt hatte, und verwandelte ihn mit Malerei, Stoff, Fotografien und Collagen in ein Kunstobjekt. Bilder von KZ-Opfern stehen darin neben einem Glamour-Model und Davidsternen. Der Gegenstand der Emigration wird so zugleich zum Erinnerungsträger und zur Anklage. Dieses Werk gibt dem gemeinsamen Projekt von Claus Boesser-Ferrari und Elliott Sharp seinen Namen.
Die Musiker
Claus Boesser-Ferrari, 1952 in Bellheim geboren, ist Gitarrist und Komponist. Nach ersten Jahren als Rockmusiker studierte er klassische Gitarre am Konservatorium in Speyer. Seit den frühen 1990er-Jahren arbeitet er international als Solist. Sein Umgang mit der akustischen Gitarre geht weit über traditionelle Spieltechniken hinaus: perkussive Elemente, Klangverfremdungen, Reduktion und Dekonstruktion gehören ebenso zu seiner musikalischen Sprache wie improvisatorische Ansätze. Neben Soloarbeiten entstanden zahlreiche Projekte an den Schnittstellen zu Theater, Film, Literatur und bildender Kunst. Zu seinen musikalischen Partnern zählen unter anderem Ralph Towner, Fred Frith, Marc Ribot, Marc Ducret, Eugene Chadbourne, Hans Reffert und Jutta Glaser.
Elliott Sharp, 1951 in Cleveland geboren, gehört seit Ende der 1970er-Jahre zu den prägenden Musikern der experimentellen New Yorker Szene. Der Gitarrist, Multiinstrumentalist und Komponist studierte unter anderem Komposition, Improvisation, Musikethnologie, Physik und Elektronik; zu seinen Lehrern gehörten Morton Feldman und Roswell Rudd. Nach seinem Umzug nach New York wurde er Teil jener Downtown-Szene, aus der Musiker wie John Zorn, Marc Ribot und zahlreiche weitere Grenzgänger zwischen improvisierter Musik, Jazz, Rock und neuer Musik hervorgingen. Sharps eigenes Werk reicht von freier Improvisation und experimenteller Gitarrenmusik über zeitgenössische Komposition bis zu Blues, Rock und elektronischer Musik. Wissenschaftliche Modelle und mathematische Strukturen spielen dabei immer wieder eine Rolle. Auch bei ihm besteht eine Verbindung zum Enjoy Jazz Festival – 2025 erschien ein Mitschnitt seines Auftritts mit Erwin Ditzner vom Enjoy Jazz Festival 2024.
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